Wie alle Instrumente, die in der und durch die Praxis geformt wurden, weist auch Product Placement bisher lediglich eine schwache theoretische Fundierung auf. Klassische Wirkungsforschung der Kommuniktionswissenschaften befasst sich vorwiegend mit traditioneller Werbung und PR, ohne Product Placement und Tie-Ins verstärkt zu berücksichtigen. Dieser Tatsache versucht eine Forschergruppe am Institut für Publizistik- und Medienwissenschaften unter der Leitung von Prof. Werner Wirth entgegen zu wirken, indem empirische Wirkungsstudien im Bereich des Product Placement vorangetrieben werden. Wir haben uns mit Prof. Wirth zu einem Gespräch rund um Product Placement getroffen.
Wonderland: Wie relevant ist das Thema “Product Placement” für die aktuelle Publizistikwissenschaft? Gibt es neue Theorien, neue Entwicklungen zu diesem Thema?
Prof. Werner Wirth: Die Kommunikationswissenschaft ist eine Disziplin, die noch mehr als Soziologie auf Trends achten muss, wenn sie Schritt halten will. Dabei kann man diese Aufgabe auf zwei Wegen bewältigen. Zum Einen kann man die alten Theorien und Methoden auf neue Trends anwenden, was durchaus seine Berechtigung hat. Im Falle von Product Placement muss man sich überlegen, ob man nicht neue Theorien braucht. Die Theorie des “Mere Exposure”, mit welcher wir hier in unserer Abteilung arbeiten, ist nicht neu, sondern war im Kontext der Werbewirkung bisher nicht so relevant, aber durch die Entwicklung und Etablierung des Product Placement hat sie an Relevanz gewonnen. Bisher gab es dazu keine explizite Forschung. Somit sind wir die ersten, die einen solchen Forschungsansatz mit der Wirkung zu Product Placement verbinden.
Wonderland: Bisher wurde in den USA viel geforscht.
Prof. Werner Wirth: Das hängt damit zusammen, dass die USA unproportional viel grösser sind. Die Anzahl der Professuren in den USA im Fach Kommunikationswissenschaft ist etwa zehn- bis zwanzigmal so hoch wie in ganz Europa.
Wonderland: Das Europäische Parlament musste über die Zulassung des Product Placement in der EU abstimmen mit dem Resultat eines Pauschalverbots mit der Option für das jeweilige Land, die Praktik zuzulassen. Welche Gründe sprechen für eine Liberalisierung von Product Placement? >> mehr zu: Interview: Prof. Werner Wirth (IPMZ) zu Product Placement