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Platzieren, Lynchen: Heineken? Pabst Blue Ribbon!

Kategorien: Film, Product Placement

Vor etwa einem Jahr äusserte sich David Lynch ziemlich ablehnend gegenüber Product Placement. Das berühmte Video machte die Runde in allen Videoportalen und auch heute noch flattert hie und da ein Link in die ohnehin schon von SPAM überfüllte Mailbox mit dem Hinweis, man müsse sich dieses Statement ansehen. Natürlich kennt man es. Man schrieb sogar darüber. Never mind, man halte sich hier an Don Vito Corleone, dessen Leitsatz, die Freunde dürfen einen unterschätzen, während die Feinde aber, zur Überschätzung geleitet werden sollen, in die Krimigeschichte eingegangen ist.
David Lynch nannte Product Placement schlicht und einfach “Bullshit”, was ja als eine subjektive Meinung für ihn Gültigkeit haben darf. Jedem Künstler ist ein Recht auf Exzentrik gegeben, weil es zu seiner Lebens- und Arbeitsweise gehört. Genau das ist der Punkt, an welchem eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk der Person beginnen kann. Man versucht, den Regisseur zu verstehen. Nach “Blue Velvet” kam die DVD “Wild at Heart” auf den Tisch, dann “Mulholland Drive”, alles zu Forschungszwecken, eine kleine Auswahl aus Lynchs Filmografie. Sieh da, die Filme sind einmalig, aber man wird den Eindruck nicht los, einen Bären aufgebunden bekommen zu haben.

Denn “Blue Velvet” begegnet einem dank Heineken in einem viel grüneren Licht, als der Titel es vermuten liesse. Low Budget ist low budget und man muss sehen, wie die Produktion finanziell die Kurve kriegt. Entweder das, oder die Marke ist im Film ein Statement und nicht bloss Werbung. Wir wissen es nicht. Im Skript liest man:

MAITRE D’
May I get you something to drink?
JEFFREY
I’d like an ice-cold Heineken.
SANDY
(she might as well)
That sounds good.
JEFFREY
Two.
MAITRE D’
Two Heinekens, thank you.

Ab da mausert sich Heineken zur Lieblingsmarke von Jeffrey. Das Bier kommt auch nicht in Gläsern, sondern in Markenflaschen auf den Tisch. Oder auch in dieser Sequenz (welche an Lynchs eigene Beschreibung des Films erinnert “The Hardy Boys go to Hell”) fällt der Brand. Die Frage, ob es sich einfach um Annäherung an die oder um finanziell angeregte Kreation der wünschenswerten Realität handelt, bleibt fürs erste einfach so stehen. 1990 kam “Wild at Heart”, ein Film über Liebe, Banalitäten des Gangsteralltags und grosse Dramen. Sailor, hiess die von Nicolas Cage gespielte Figur, und Lula war das schöne blonde Mädchen an seiner Seite. Eine amerikanische Liebesgeschichte.
Bekanntlich sind solche Helden meistens polarisierende Menschen, die sich ziemlich wenig um ihre Gesundheit kümmern, denn sie leben im Hier und Jetzt, möge Morgen kommen, was wolle. So wurde Sailor als ein Raucher auf Zelluloid gebannt. Dank dieser Tatsache konnte im Film Marlboro ins Spiel kommen: Sailor, der seine Haftstrafe endlich abgesessen hat, macht sich auf den Weg zu Lula, wird von einer Gruppe Männer umzingelt und als er versteht, dass er jetzt wohl auf die Nase kriegen soll, verschafft er sich ein Timeout, indem er eine Zigarette aus der Marlboro-Packung zieht. Wieder ein Statement? Das Produkt passt 100% zur Figur, das ist Fakt. Aber hätten es nicht auch Lucky Strike sein können? Hätten.
“Mulholland Drive” hält sich hingegen etwas mehr abseits realer Marken. Lieber setzt Lynch seine Figuren in ein fiktives Restaurant “Winkie’s”, wie es Travolta mit Jack Rabbit’s Slim” vormachte. Im Film wird viel geraucht, Coke kommt vor, aber ansonsten erhascht man, wenn üebrhaupt, nur subtile Einblicke in die Brandauswahl. Das Etui, welches “Rita” aufmacht, um Unmengen von Geldscheinen ans Tageslicht zu befördern, kommt aus dem Hause DKNY - ein schlichter, edler, schwarzer Gegenstand - welcher schön mit den roten Nägeln der Frau kontrastiert. Lynch mag rote Farbe.
Ist die Haltung von Lynch nun eine ex-post Abrechnung mit Brands, die seine Filme mitfinanziert haben oder liegen wir mit unserer Vermutung falsch? Wir fragen und hoffen, dass das Voting nach und nach ein Urteil erlauben wird:

{democracy:6}

Skript: horrorlair


Autor: Alice

Wir danken für Bilder kino-govno.com, ign.com, ropeofsilicon.com, worstpreviews.com, itvx.net sowie der Google-Suche und allen anderen, die wir vergessen haben zu erwähnen




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